Mittwoch, 20. November 2013

Das Grauen der Kindheit kehrt zurück

Es begab sich zu einer Zeit, da nahte die Jahrtausendwende. Scharen von Grundschülern diskutieren hitzig mit ihren Eltern. Der Streitpunkt: Der Turnbeutel. Millionen von Kindern wollen nicht weiter von der Gesellschaft für dieses hässliche und unbequeme Ungetüm von Transportsäckchen geächtet werden. Denn wenn schon ein Paar Kinderturnschuhe der Größe 35 dieses Ding der Scheußlichkeit fast zum zerbersten bringen, kann man schwerlich von einem Raumwunder sprechen.
Also kämpfte meine Generation standhaft und voller Hass gegen diese zwei Lappen Stoff zwischen zwei Schnüren.
Was liegt dann wohl näher, als ein einige Jahre später den Turnbeutel neu aufzulegen und ihn als das Must-Have zu verkaufen? Ich musste den Anblick zwar schon öfter an dem ein oder anderen Hipster ertragen, aber das ganze hielt sich in Grenzen. Nun muss ich doch tatsächlich darum bangen, dass mir der Stoff aus den Albträumen damaliger Drittklässler öfter als alle vier Tage über den Weg läuft. Und dass, wenn ich ganz großes Riesenpech habe, diese Farce einen vergleichbaren Hype wie diese Leggins auslöst. Nicht unbedingt förderlich ist es, dass Taff schon fleißig Werbung für die Dinger namens „Treksac“ macht. Gut, man kann Taff natürlich in geschmacklichen Fragen nicht vertrauen, aber dass die Redaktion so betäubt von schlechtem Stil zu sein scheint, wollte ich bis jetzt nicht wahrhaben. Und nicht nur die Form ist originalgetreu ätzend, sondern das ganze wird noch von dämlichen „Jippie, wir sind so cool und unser Lebensinhalt ist Feiern gehen und flach über Tiefgründiges zu schwafeln“ - Aufdrucken getoppt. Diese „ich bin zu cool für diese Welt“ - Attitüde wird dann auch noch dadurch unterstrichen, dass man den Namen an so etwas unschönes wie die Beleidigung 'Dreckssack' anlehnt.
Verdammt.

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