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Donnerstag, 22. Mai 2014

Der aufhaltsame Aufstieg der Gesundheitslatsche - Das Comeback der Birkenstocks

Ein neues It-Piece, ein Mode-Must-Have, ein heißes Teil der Saison wurde vor einigen Wochen geboren. In die Welt gesetzt von Modezeitschriften, den Primarks
der Nation und Fashionstrecken in führenden Magazinen. Die Birkenstock werden aus ihrem düsteren Versteck namens Zuhause gelassen und dürfen an die frische Luft.
Es gab eine Zeit, da versteckte man seine Birkenstock vor dem nahenden Besuch noch schnell im Abstellkämmerchen. Man wollte sein Date nicht über die Gesundheitslatschen stolpern lassen und damit jegliche zukünftige sexuelle Interaktionen verhindern. Natürlich sind Birkenstock eine Wohltat für jeden Pumps geplagten Ballen. Dieses Gefühl, wenn man vom zehn Zentimeter hohen Zenit der Rückenschädigung in das vorgeformte Fußbett gleitet, kommt dem Genuss eines Sommerabends mit auf der Nasenspitze kitzelnden Sonnenstrahlen gleich.
aus der Brigitte
Ich hätte allerdings nie gedacht, dass die orthopädischen Schuhe den Sprung in die Parks Berlin Mittes schaffen. Kombiniert mit einem knöchellangen Jersey-Fummel und BH-los watschelt es sich hervorragend mit 100prozentigem Wohlfühlfaktor durch den Szenebezirk. Allerdings feiern die Hipster-Schluffis die klassische 0815-camel/braun/schwarz- Variante und lassen die neuen absurden Designermodelle links liegen. Die machen den Schuh übrigens auch nicht hübscher. Bei einem Birkenstock ist einfach Hopfen und Malz verloren. Diese Schuhe sind ja auch gar nicht dazu gemacht, irgendeinen Stylefaktor zu erfüllen und das Auge eines Modeopfers zum Tränen zu bringen. Das was sie können, können sie gut: Unsere Füße verwöhnen wie die Massage eines attraktiven Mannes.
Auf die Korksohle ein Paar formschöne und so bequeme superbreite Riemen draufgedroschen, praktisch mit Größenverstellung von Ballerinaspann bis 40-Grad-im-Schatten-und-vier-Liter-Wasser-pro-Fuß-Fuß und dazu diese unvergleichliche rutschfeste Sohle. Komfort auf höchstem Niveau, die Ästhetik siedelt sich eher rund um das Thema hellgelber Nagellack an.

aus der Jolie


Fetische gibt es ja für vieles, aber ich dachte bis jetzt, dass die Erotik spätestens bei Birkenstock ihr Ende findet. Doch ich werde mal wieder eines besseren belehrt. Heute lockt man scheinbar seine Beute mit der verführerischen Ausstrahlung eines gesundheitsfördernden Fußbettes in seine Fänge.

Ich hätte mal einen Vorschlag für einen Trend, der auch mir Freude machen würde: 
der Vatermörder.  

Samstag, 5. April 2014

Was sagt der Lebensversager? - Hü-hüpf!

In Berlin wird ein Haufen von Lebensversagern herangezüchtet. In Berlin kann und darf man nicht alles. Es gibt dir die Möglichkeit zu vielem. Aber gib Berlin nicht am Ende die Schuld, wenn die Party vorbei ist und du mit deiner Postdepression vom Kokain zu Hause bist. Allein.
absolutfamilie.de
In Berlin gehört dir die Welt! Keine Droge kann dir etwas anhaben. Die anderen werden süchtig, du genießt ja nur dein Leben. Von Mittwoch bis Sonntag frühstückst du vor dem Schlafen und nicht nach dem Aufstehen. Du hüpfst von einem Open Air und Freundeskreis zum nächsten und willst keine Shoperöffnung mit Freibier verpassen. Mit deinem Ex-Wochenendpartner konntest du über allen möglichen Scheiß reden. Der Lover wird auch schon mal der Kumpeline empfohlen und die Weiber sind allzeit bereit. Du springst so häufig im Spagat durch die Betten, dass man dich für einen promiskuitiven Flip halten könnte. 
Du setzt dich mit deinem nackten Hintern in den zehn Jahre alten Ubahndreck, da dein kläglicher Versuch einer Jeansshorts deine Pobacken unten raushängen lässt. High Heels, die nicht aussehen wie zwei Zentner schwere Elefantenfüße, verabscheust du genauso wie ein gut geschnittenes Jackett. Du benutzt Berlin wie ein Wegwerftissue. Doch irgendwann ist auch diese Box leer.
abzonline.de
Man kann seine Himbeertörtchen nicht mit Koks bestäuben und denken, das eigene Gehirn bekomme es nicht mit.
„That's not Germany, that's Berlin!“ Aha. Also meinst du, Berlin sei ein rechtsfreier, surrealer Raum, der dich dazu bringt Dinge zu tun, die ein normaler Menschenverstand als hirnrissig erachtet? Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Und wenn dein Leben mit Mitte Dreißig nicht immer noch so inhaltslos und hipsterspießig sein soll, dann spring von diesem Zug ab. Tu uns und vor allem dir den Gefallen. Ansonsten bleibt ihr alle allein. Und trefft euch samstagnachts um euch traurig den Sinn eures verkorksten Lebens einzureden und die hallende Leere wegzutanzen. Und die, die mit dir sind, sind nicht deine Freunde. Es sind Leidensgenossen.