Freitag, 16. Oktober 2015

Umweltbewusstsein im Kampf mit dem Kaffeedurst. Studenten und ihr flüssiges Schutzschild.

Die vorlesungsfreie Zeit ist vorbei ihr Schlafmützen! Auf, auf in die Audimäxchen dieser Republik! Kratzt ihr euch noch die letzten Klümpchen Berghain-Dreck aus den Augenwinkeln? Na dann auf zum nächsten Coffe-to-go-Dealer und besorgt euch einen Schluck Lebenselixier.

von Jason V from Vancouver, Canada (one stuffed festival-happy trashbin) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons


Ach so ein Käse, das muss ich euch doch gar nicht sagen. Denn als Student huldigt man der „Ohne Kaffee bin ich gar nicht zu gebrauchen“ und „Den Tag hätte ich nie ohne Kaffee überstanden“-Attitüde. Die Rolle des dauergestressten Gender-Lehrlings scheint sich so wunderbar an euer Ego zu schmiegen wie der muffige 6-Meter-Schal an euren nun nicht mehr vorhandenen Hals. So sieht man sie nun sitzen, laufen und stehen: Kopf-auf-den-Schultern-Menschen von 19 bis 35, bewaffnet mit einem Becher. Dieser kann jeglicher Couleur sein: Die Tasse vom Schwulenreferat, der Pappbecher aus der Backfactory oder das Mitnehmbehältnis der Oberklasse: ein Edelstahl-Thermobecher von Starbucks.

Mariana ruiz LadyofHat via Wikimedia Commons
Doch dieser Becher wird nicht nur aufgrund seines aufmunternden Inhalts so heiß und innig geliebt. Er scheint dem Studenten auch ein Alibi zu sein. „Was Marthe, du warst gestern auch bei den Fahrradständern? Ich hab dich gar nicht gesehen.“ Natürlich, den weißen Plastikmüll von der Pappe zu friemeln um an den letzten Rest H-Milchschaum zu gelangen war in dem Moment eine gute Lösung um nicht in Marthes Richtung schauen zu müssen.
Einem Schutzschild gleich positioniert der Student den Mitnehmkaffee in Brusthöhe und will damit Unannehmlichkeiten abwehren: die Antwort auf die eben gestellte Frage war falsch? Na, ich bin ja auch sooo müde. Sieh, schon mein dritter Kaffee heut!
Ich habe deinen Geburtstag vergessen? Ach du meine Güte, ich bin so im Stress, ich vergesse einfach alles. Vielleicht sollte ich nicht mehr soviel Kaffee trinken, dann schlaf ich auch besser. Mein Koffeinkonsum ist in letzter Zeit abartig.

Ich hoffe nur sehr für euch, liebe Leute, dass ihr den Kaffee Fairtrade trinkt und den Becher aus Porzellan benutzt. Ansonsten ist eure gebetsmühlenartige Umweltfreundlichkeitspredigt für die schwarze Tonne. Denn Einwegbecher allein verursachen 40.000 Tonnen Müll pro Jahr in Deutschland..


Dienstag, 1. September 2015

#feminismus #emanzipation : Wie wir im Kampf um die Gleichberechtigung der Frau den Mann diskriminieren. #weildueinMannbist

#aufschrei , #feminismus und #emanzipation

Frauen sind sehr gut darin, ihre Selbstständigkeits- und Gleichstellungsbemühungen twitterwirksam zu vermarkten.
Bei all dem Schreien und Ringen nach Gleichberechtigung vergessen wir Frauen wohl manchmal, dass auch einem Mann aufgrund seines Geschlechts in manch einer Situation Steine in den Weg gelegt werden.

Ich werde gerade aus aktuellem Anlass selbst mit der „als Mann hat man auch nicht immer Vorteile“ Situation konfrontiert. Mein Liebster sucht eine Wohnung. Bezahlbar, hübsch und nicht zu groß. Seinem Einkommen angemessene Wohnungen gibt es auch trotz der schwierigen Mietsituation. Natürlich schießen sich viele Wohnungen auch selbst ins Aus, indem sie einen Panoramablick über die Stadtautobahn bieten oder eine Deckenhöhe von 1,85 aufweisen. Trotzdem waren es doch einige Wohnungen, die wir uns in den letzten Monaten angesehen haben.

Gierig? Nein, überhaupt nicht. Wenn man die Situation für sich nutzen kann...


Also hingetapert, besichtigt, für darin wohnenswert befunden und beworben.
Die Stunden zwischen Abgabe der Bewerbung und der erhofften Zusage sind bei Leibe keine schönen. Wenn man denn mal eine Wohnung gefunden hat, in der man sich direkt wohlfühlt, setzt man natürlich große Hoffnungen in diese vier Wände.
Doch Zusagen kamen bisher nicht. Absagen allerdings auch keine. Also fragten wir nach.

„Ja, der Vermieter hat sich leider für eine Frau entschieden.“
„Wir haben ja sonst auch nur Frauen eingeladen um sich die Wohnung anzusehen.“
„Sie sind ja leider ein Mann.“

Wir fordern Gleichberechtigung für Frauen und gehen dann mit solchen Vorurteilen an die Vergabe einer Wohnung ran?
Auch mit einem Y-Chromosom ist man in der Lage die Wohnung zu lüften. Und nein, Bartwuchs ist kein Indiz dafür seine vier Wände zu verwohnen. Man mag es kaum glauben, aber auch das männliche Geschlecht ist in der Lage das Bad zu putzen und den Müll zu trennen!
Mein Freund raucht nicht, möchte keine Junggesellen-WG mit Partyhengstambitionen eröffnen, hat weder einen Dobermann noch ein Meerschweinchen und einen unbefristeten Job. Die Hausverwaltungen und Makler rechneten ihm stets gute Chancen aus. Doch der Eigentümer versteckt sich hinter seinem „Frauen sind bessere Menschen“-Vorurteil. Manche Frauen leben auch im Dreck und haben noch nie etwas von Scheuermilch gehört. Viele von ihnen streichen ihre Wohnung auch gern in brechreizerregenden Farben wie Schneckenschnupfen-Kreischgrün. Oder hinterlassen auf Armaturen und Fliesen Signalrote Nagellack-Streifen. Holzböden werden mit Pfennigabsätzen malträtiert und die weibliche Promiskuität kann dank Emanzipation mit der männlichen mithalten.

Bei all unseren Forderungen dürfen wir den Diskriminierungsball nicht einfach ins andere Feld spielen.
Frauen sind nicht die besseren Mieter, sie sind auch nicht die besseren Menschen.
Ein Mann sollte die gleiche Chance auf eine Wohnung haben, wie eine Frau.

Wir fordern doch schließlich auch die gleiche Chance auf einen Job wie ein Mann, oder nicht?

Sonntag, 5. Juli 2015

Ich suche einen Nachmieter, der mir meinen gesamten Hausrat abnimmt, bei dem ich das Graffiti nicht übermalen muss und der mir für all diese unerledigten Tätigkeiten noch einen großen Schein rüberschiebt.

Der Berliner Wohnungsmarkt gleicht einer kargen und staubigen Ödnis, wo hier und da ein verdörrter Baum den Blick stört und manchmal auch eine fies grinsende Hyäne vorbeischaut, die darauf wartet, dass du endlich aufgibst. Doch was erzähle ich, das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, hier eine Wohnung zu finden.

von Graf Umarov; commons.wikimedia.org


Doch die Hyänen haben sich zu noch unangenehmeren Zeitgenossen entwickelt. Da die Makler jetzt keine 1,5 Tausend Euro für das Aufschließen der Wohnräume und ein „Hier, die Infos stehen auf dem Exposé“ verlangen dürfen, ist ihre Motivation auf dem endgültigen Tiefpunkt angelangt. Denn der nervige Neu-Mieter, welcher sich auch noch erdreistet Fragen zu stellen, zahlt einem nicht mehr die horrende Courtage. Da muss man sich das Mindestmaß an Freundlichkeit auch nicht mehr von den Lippen lügen.

von Ion Tichy; commons.wikimedia.org

„Sie stoßen sich den Kopf an der 1,50m hohen Badezimmertür? Seien Sie doch mal etwas lässiger, bei so einem Traumobjekt!“ Auf die Frage, was das denn für schwarzen Flecken hinter der sich ablösenden Tapete seien (dass jemand eine völlig verschimmelte Bude für 600 Euro kalt vermietet habe ich nicht zu denken gewagt), kam die Kinnladeaufklappende Antwort: „Das ist eine Außenwand.“ Das ist eine schöne Info, interessiert mich bei einem erhöhten Aufkommen von schimmeligen Sporen aber herzlich wenig.

Doch nun kreisen auch noch die Geier tiefer. Das, woraus die Hyäne keinen Profit schlagen kann, macht der Aasgeier noch zu Geld. Einige Vormieter wollen scheinbar gar nicht umziehen, sondern nur den Wohnort wechseln. Sie überlassen einem gnädigerweise all ihre abgewohnten Pressholzkonstruktionen und möchten dafür auch noch Dank und Bares. Ich möchte keine bösen Unterstellungen verbreiten. Aber es erscheint mir schon sehr unglaubwürdig, dass jeder dritte vor maximal einem Jahr eine neue Küche hat einbauen lassen, die auch kaum benutzt sein soll. Teils sogar vom Tischler maßangefertigt, fristen diese zweischränkigen Kochnischen ihr Dasein und wollen für nur schlappe 2000 Euro übernommen werden.
Manche bauen ganze Saunen in ihre 400 Euro Wohnungen. Da kann ein Abstand von 10.000 doch schon mal den Besitzer wechseln.
Unverschämt und zu faul, das Ikea Bett bei ebay Kleinanzeigen anzubieten. Wer freut sich denn über hässliche 0815 Einrichtung, die die Wohnung verstopft und entweder erst noch verkauft oder beim Müllhof abgegeben werden muss?

1000 € für nichts. Aber bitte sofort mitbringen.


Vormieter machen es sich in vielen Fällen so leicht wie nur irgend möglich. Und das auf Kosten des Nachmieters. Vielleicht sollten sich die werten Vormieter in Erinnerung rufen, dass sie selbst ja auch Nachmieter sind.

Dienstag, 16. Juni 2015

Victoria - ein Film mit vier Substantiven in Trainingsanzügen. Teilweise mit Sprachfehler oder Minnie Mouse Haarreifen in der Frisur.

Es gibt Filme, bei denen bin ich mir nicht sicher, ob die anderen Zuschauer den selben Film sehen wie ich. „Victoria“ ist so ein Film. Dieser Film zieht Hollywood in seinen Bann und lässt das Publikum kichernd und johlend im Kinosessel versinken. Alle und jeder, der auch gar nichts davon weiß, sprechen über dieses Stück Berliner Nacht, gebannt auf einer SD-Karte.
Mit mir hat niemand über diesen Film gesprochen. Ich wurde angelockt von diversen himmelhochlobenden Kritiken und einem vielversprechenden Trailer.



Versprochen hatte ich mir von „Victoria“ eine mitreißende und auch spannende Geschichte aus einer Berliner Nacht, die trotzdem im Rahmen des real Möglichen geschieht. Dass die Hauptrollen nicht aus der privilegiertesten Schicht stammen, war bereits im Trailer klar. Doch hatte ich eher angetrunkene Durchschnittshipster erwartet, als an geistig völlig umnachtete, kriminelle „real Berliners“ in Trainingshosen gedacht.
Der Film wirkt zu Beginn sehr natürlich. Vielleicht ein wenig zu betont unschuldig und verschüchtert bestellt Victoria ihren letzten Wodka vor dem Aufeinandertreffen mit den vier Substantiven. Sonne, Fuß, Blinker und Boxer. Oh Mann. Die realistische Anmutung ist dahin. Die Namen klingen einfach nur doof und erwecken den Anschein, dass der Macher ein bisschen zu tief in die Hellersdorf-Kiste gegriffen hat. Was nach diesem ersten Kennenlernen zwischen der spanischen, ungekämmten, einsamen Hipster-Uschi und ihren nächtlichen Weggefährten passiert? Nichts. Keine Handlung. Nur ein Umherschwirren durch die Berliner Nacht. Für eine begrenzte Zeit ist das ja auch ganz schön. Dass man sich treiben lassen kann. Doch nicht ganz so schön ist dieses wild durcheinander geschriene Denglisch mit Kraftausdrücken als Anrede unter den vier Freunden. Ich denke häufiger „Auweia“; der Rest des Saals lacht. Vielleicht bin ich mit diesem Jargon einfach nicht genügend vertraut.
Auf jeden Fall kommt dann irgendwann ein Punkt, an dem sich wohl gedacht wurde: wir brauchen Action. Dann geht es los. Aber mit durchgetretenem Gaspedal. Der Film driftet so unglaubwürdig in eine mafiöse-Machenschaften-in-Berliner- Tiefgaragen Richtung ab, dass ich aussteige. Eine halbe Stunde vor Ende und knappen 60 Minuten unentwegtem Rumgebrülle und Geballere verlasse ich den Saal.

Ja, der Film hat durch die schnittlose und verwackelte Kameraführung etwas von einem Tatsachenbericht. Die Art des Films mutet sehr realistisch an. Doch der Inhalt ist verquer.
Ich kenne mich zu wenig im Berliner Gangstermilieu aus, um sagen zu können, ob sich solche Szenen in Berlin nachts abspielen. Das ganze Dilemma erinnert mich an poetischen Realismus. Als habe Fontane mit vier Assis und einer Dumpfbacke in Berlin einen Film über sich anbahnende Liebeleien drehen wollen und sei dann über eine Line Kokain gestolpert um am Ende völlig am Rad zu drehen.
Mich hat selbst Frederick Lau, den ich für einen begnadeten Schauspieler halte, nicht bis zum Ende durchhalten lassen.
Dieser Film ist bestimmt für diejenigen Intellektuellen sehenswert, welche eine gute Ausdauer und Sitzfleisch haben und sich gern sagen hören wollen, wie „direkt von der Straße“ diese Gespräche sind. Oder auch für diejenigen, welche sich selbst wiedererkennen.


Montag, 18. Mai 2015

Dadbod , mombod... Wer keinen " trendy Hashtag " für seinen Körper hat, wird erschossen.

Ouh làlà! Ein sexy #dadbod! Oh nein, ich bin doch eine emanzipierte Frau, ich brauche Gleichberechtigung! Schnell einen neuen Hashtag kreieren:  #mombod...


Was ist denn mit unserem Körpergefühl verkehrt, dass jede anatomische Begebenheit einen modischen Hashtag braucht, da sie ansonsten nicht anerkannt wird?


Ein von CollegeDadBods™ (@collegedadbods) gepostetes Foto am


Da werden vernachlässigte Männerbäuche in den strahlenden Sonnenschein gereckt und daraus der neueste Clou der Verführung der Frauenwelt gemacht. Die speckigen Männerbrüste werden zum sexuellen Statussymbol erhoben und das Bier mal in der linken, mal in der rechten Hand gehalten. Umgeben von gertenschlanken, US-Flaggen-Bikinis tragenden Mädels zelebrieren sie ihre Plauze als Non-Plus-Ultra der Sommerfigur 2015, garniert mit ein paar mehr als dummen Sprüchen. Kühle und heiße Blonde garnieren die Schnappschüsse der Men of the next year. 

Jaja, solch eine Figur kommt nicht von ungefähr. An der muss man arbeiten. Erst muss man einen äußerst weiten Bogen um das Fitness Studio machen und dann auch noch diese unhandlichen Bierkästen und Pizzakartons nach Hause bugsieren.

Bitte nicht falsch verstehen, ich brauch im Leben keinen Freund mit Sixpack. Aber ebenso wenig will ich einen Freund, der sein Sixpack nach zwei Feierabenden zur Leergutstelle bringen kann. Diese Körper wurden nicht durch Genuss geschaffen. Diese Bäuche zeugen von einem Lebensstil, der die Gesundheit völlig außer Acht lässt. 
Und anstatt diesen dämlichen Trend zu ignorieren, streben die Damen wieder nach falsch verstandener Gleichberechtigung.

Und somit treten die ausgelutschten Bauchdecken vieler Mamas in den Ring und wollen den Sieg in der Paradedisziplin des normcore nach Hause holen.


Doch hier ist der Unterschied: Dieser Körper hat ein Baby beherbergt und ist kein Heim schlechter und vor allem ungesunder Ess- und Trinkgewohnheiten. Schwangerschaftsstreifen, schlaffe Bäuche und nicht mehr ganz so pralle Brüste sind eine Nebenwirkung von etwas ganz wundervollem. Und ein menschliches Lebewesen steht auf der Wunder-Liste doch um einige Plätze weiter oben als Gerstensaft und eine mit Speck belegte Riesenpizza.

Dienstag, 5. Mai 2015

Entschuldige, aber ich möchte lieber dem Professor folgen, anstatt Ausführungen über deine Saufeskapaden der letzten drei Tage lauschen zu müssen.

Meine lieben Mitstudenten,
das, was ich euch jetzt sagen möchte, wird euch wahrscheinlich nicht gefallen.
Aber eure Respektlosigkeit schreit zum Himmel.
Die Vorlesung findet von 10:15 Uhr bis 13:45 Uhr statt? Um halb zwölf zu erscheinen reicht doch!
Und dann setzt ihr euch nicht leise an einen der nächsten freien Plätze, nein. Ihr lasst erst einmal die Tür mit einem Klapptisch-erschütternden 'Rumms!' ins Schloss fallen, lauft mit eurem to-go-Kaffeebecher quer durch den gesamten Hörsaal und packt dann in aller Seelen Ruhe euren Laptop aus. Manchmal kommt ihr auch zu zweit eine Stunde später in den Vorlesungsraum geschlurft und haltet ein kleines Pläuschchen am Sitzplatz. Die Blicke des fassungslosen Dozenten werden gekonnt ignoriert, die entnervten Blicke einiger Kommilitonen auch.





By Vidal Lavin via Wikimedia Commons
In Zeiten von Bahnstreiks und alltäglichem Berliner Verkehrschaos hat man ja Verständnis für Nachzügler innerhalb der ersten 15 Minuten der Vorlesung. Aber wer scheinbar Zeit hat, sich noch einen Kaffee kurz vor der Uni zu besorgen, der kommt nicht aufgrund von überfüllten Waggons zu spät. Und ehrlich gesagt gibt es bessere Orte, als viel zu kleine Unibänke, an denen man mit der Kniescheibe Glücksrad spielt, um den Stream eines Basketballspiels von letzter Nacht anzusehen. Oder Kontakte über Facebook zu pflegen. Und eure Gespräche über den Suff vom letzten Wochenende gehören auch nicht 30 cm von meinen Ohren entfernt, sondern in ein Café oder auf euer heimisches Sofa. Das ist für euch bequemer, ich kann der Vorlesung folgen und ihr würdet dem Dozenten nicht das Gefühl vermitteln, er verschwende seine Zeit. Niemand zwingt euch zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort zu sein. Und wenn ihr verschlaft oder euch zehn Uhr zu früh ist, dann setzt euch mit euren vier Buchstaben gefälligst zuhause hin und arbeitet selbstständig. Und falls ihr das alles nicht wissen wollt, was euch beigebracht wird, besetzt keine Studienplätze für lernwillige Menschen.

Montag, 27. April 2015

#ImNoAngel ? Doch! Aber mit Busen und einem runden Po!

Diese wirklich erotische Kampagne von Lane Bryant ist natürlich, frei, lebensfroh und auf das Wesentliche reduziert. 
" I'm no angel " feiert keine hyperaktiven Windspiele, die durch den mit Orangensaft getränkten Wattebausch auf der Zuckerwelle der aufgedrehten Girliness schwimmen. Nein, hier sind Frauen in schwarzweiß zu sehen, die sich morgens auch mal die Vollfettbutter aufs Brötchen streichen. Die nicht um jeden Zentimeter des Tortenstücks feilschen und sich auch nicht den Parmesan auf der Pasta versagen. 

Diese wunderschönen Frauen mit ihren wunderschönen Körpern tragen wirklich schöne Dessous. Und die Welt berichtet darüber. Als wäre es eine Sensation. Die Presse schreibt Dinge wie: „trotz Makel“, „... auch ohne perfekten Body“ und „... sie sind trotzdem sexy“.

Ein tiefes Seufzen entflieht meinem genervten Ich. Nun haben wir diese augenschmeichelnde, sehr ästhetische Werbung auf unseren Bildschirmen und lernen schon wieder nichts daraus. Diese Frauen werden mit wenn und aber betrachtet. Wieder wird quasi in die Welt hinausgerufen: „Es ist ok einen Bauch zu haben, aber denk ja nicht, dass das gut oder gar perfekt sei! Nein! Man muss dich immer im Vergleich zu den viel hübscheren, da schlankeren Mädchen sehen! So wie du bist, das ist nicht super! Es ist in Ordnung und wir nehmen jetzt am Rande Notiz von dir!“ Man müsse „Mut“ haben, sich mit solch einem Körper zu zeigen, „Respekt dafür“.....
Es ist eine Frechheit, zu sagen, dass diese Frauen eindeutig gegen den perfekten Körper protestieren. Damit wird doch wieder nur propagiert, dass dieser Körper nicht der perfekte ist, sonder der dieser Victoria's Secret Fliegengewichte. 

Ein Körper, dem man ansieht, dass er liebevoll behandelt wird, ist ein schöner Körper. Ein Körper, gegen den man permanent ankämpft, damit er Maßen entspricht, die eine 12-Jährige in der Wachstumsphase hat, nicht.

Diese niederträchtigen Lobeshymnen der Beauty- und Lifestyle-Redakteurinnen, wie schön es sei, dass sich nun auch diese dicken Randgruppen als sexy bezeichnen dürfen, sind schlimmer, als einfach die gemachten B-Körbchen vor den Kameras der Bikini-Industrie hüppeln zu lassen.

Es ist eine schöne Werbung mit schönen Frauen, die anderen schönen Frauen schöne Dessous zeigen. Selbstsichere Frauen, die lieber ihr volles Dekolleté als ihre Rippen zeigen.  



Dieser Spot punktet mit Erotik, statt vulgär ein Mikrohöschen durch den Sand zu rollen. Diese Frauen dürfen Frauen sein und werden nicht zu Superheldinnen in Zweiteilern. 
#IMNOANGEL spricht Frauen an, die sich sexy und in ihrer Haut wohlfühlen wollen. Victoria's Secret erfüllt die alltagstaugliche Halbpornographie für Männer. 
Und ehrlich: Ich habe hier den Büstenhalter an, also entscheide auch ich mein Frauenbild. Und das wackelt nicht Lippen leckend und quasi unbekleidet an einer Kamera vorbei.-


 




Sonntag, 28. Dezember 2014

Ein Brief an Heidi Klum. Thema: Heidi Klums " Truly Fashion Shoes ". Anreiz meinerseits: Ekel.

Liebe Heidi Klum,
dass du in deiner Show der klappernden Gebeine Werte in den Himmel lobst, die eigentlich nicht mal welche sind, will ich dir nicht als Tausendste vorwerfen. Aber, dass du scheinbar dein Gewissen mit weggehungert hast, das möchte ich dir gerne sagen. Ich möchte dir deine toll mitdesignten Pantolettenpumps mit Glitzer und Paillettendekoration duusch-duusch-duusch um die Öhrchen hauen. Truly Fashion Schuhe nennst du sowas.

Quelle: toysrus.de


Wozu braucht ein dreijähriges Mädchen Absätze? Damit es sein Becken und sein Dekolleté besser in Szene rücken kann? Ein Schuh mit einem Absatz setzt ein sexuelles Signal. Und ein sexuelles Signal sollte bei einer legalen sexuellen Veranlagung nicht von einer dreijährigen ausgehen.
Nicht nur dass du hier pädophile Neigungen schürst und Kleinkinder zu Sexobjekten degradierst, du fügst ihnen mit solch einem Produkt auch einen medizinischen Schaden zu. Wenn es für eine Frau Mitte 30 nicht gesund ist, auf instabilen Absätzen durch die Weltgeschichte zu wackeln, dann kann es für Knochen, die sich im Wachstum befinden schon gar keine Option sein.
Garniert wird das ganze dann mit diesem abstoßenden Werbespruch. Natürlich saßt du nicht selbst am heimischen Küchentisch und hast dir diesen Slogan aus dem Ärmelchen geschüttelt. Doch seinen Namen unter etwas zu setzen, dass als Verkaufsargument den Neid der Freundinnen heraufbeschwört, ist moralisch unter aller Würde. Wie kann man denn einem Kind beibringen wollen, dass eine Todsünde etwas erstrebenswertes ist? Möchte man wirklich eine Gesellschaft, in der Kinder eine absolut Ich-bezogene Weltanschauung vermittelt wird? In der man den Neid der anderen auf sich ziehen möchte? Und das mit drei Jahren?

Heidi, ich schaue dich mit Verachtung für scheinbar soviel Gier und Dummheit an.
Wenn du deine eigenen Töchter wie erwachsene Frauen auf Männerfang anziehen lässt, mach das. Ich sage ja nicht, dass man als Mädchen in dem Alter sich nicht hübsch anziehen soll. Aber Kleidung, die Geschlechtsmerkmale betonen soll, hat an einem Kind schlicht und ergreifend nichts zu suchen. Und bei so kleinen, dreijährigen Mäusen anzufangen, ihr Selbstwertgefühl in die Tonne zu treten, weil sie dich, als Supermodel nicht erreichen können, dir aber durch die Truly Fashion Shoes ein Stück näher kommen sollen, das nenne ich verwerflich.

Diese Schuhe sind kein Spaß. Diese Schuhe diktieren schon den kleinsten ein überzogenes Schönheitsideal auf, mit dem sie noch ihr ganzes Leben lang konfrontiert werden.

Diese Schuhe unterstützen unser pädophiles Schönheitsideal.

Ohne freundliche Grüße.

Franziska  

Samstag, 20. Dezember 2014

Hej, schau mal: ich bin Mitte 30 und trage Konfektionsgröße 140. Wenn Size Zero nicht das Ende der Bohnenstange ist.

Eine Gesellschaft, in der man sich damit brüstet, in die Kleidung von sechsjährigen Mädchen zu passen, verlangt doch nach einem Schönheitsideal, welches durch einen vorpubertären Körper geprägt ist.
Und Schönheit und Erotik mit Kindermaßen gleichzusetzen, hat einen pädophilen Anklang.

A photo posted by @nicolerichie on

Es ist nicht normal, wenn Mütter in Kleidergröße 140 passen. Dies sollte auch kein zu erreichendes Ziel einer erwachsenen Frau sein. Aber scheinbar ist es das mittlerweile schon.

Mich gruselt es ein wenig, dass die perfekte Frau heutzutage besser ein vorpubertäres Mädchen sein sollte, die möglichst nur noch in die Länge wächst. Und bitte auch diesen unbehaglichen Aspekt der Körperbehaarung in ihrer Entwicklung auslässt.



Dienstag, 9. Dezember 2014

Achtung Glätte! Alle Sexuallockstoffe werden angewiesen, sich besonders vorsichtig auf der Hautoberfläche des modernen Menschen zu bewegen.

Entschuldigung, wir sind verrückt.
Ich lese es in so gut wie jeder Frauenzeitschrift, fast jedem Männerblättchen und sehe es in den Werbespots und Lebensstilsendungen im TV: wer natürlich ist, ist ekelig.
Wer natürlich ist, ist unsexy, nicht erotisch und irgendwie schon mal von Grund auf seltsam. Trotzdem plädieren alle für die natürliche Schönheit. Rote Lippen seien zu angemalt und eine sitzende Frisur nicht lässig genug. Ein Mann mit einer getönten Tagespflege? Nein, er ist doch ein Mann! Lässigkeit ist der Trend, der den Ton angibt.
Aber iiiiihh, der Kerl neben euch im Bett hat Achselhaare? Ja, das ist wirklich verwerflich. Und nun schaut unter die Decke und sagt noch, dass er auch Schamhaare hat!!! Ganz schön widerlich, oder?

NEIN.
Dass ein Mann Körperbehaarung hat, ist, aufgepasst: normal.
Ich würde sehr gern wissen, woran sich die kleinen Pheromone an den blitzeblank rasierten Männerkörpern festhalten sollen. Bei dieser Glätte müssen sie doch geradezu vom Körper herunterrutschten. Zack, und weg ist der Sexuallockstoff. Einfach ausgerutscht, das arme Ding.
Ich finde, wir müssen uns von dem neu auf-diktierten Glauben entfernen, dass alle Haare, außer die auf dem Kopf, die Augenbrauen und den Wimpern, ein Indiz für Ungepflegtheit sind. Natürlich gibt es Stellen, an denen Haare einen etwas weniger ästhetischen Eindruck vermitteln: Schultern, Rücken und Po beispielsweise. Aber auch das ist nichts schreckliches, auch diese Härchen finden jemanden, der sie liebt.
In den Filmen der 50er tragen die schönsten Frauen Achselhaar. Natürlich wuchern ihnen keine meterlangen Flusen aus den Achselhöhlen. Aber man störte sich nicht an ihnen. Warum auch? Wem tun sie etwas zuleide? Da muss sich eine wunderschöne Frau wie Alyssa Milano sagen lassen, sie hätte ein echtes Problem. Man kann nämlich im Mega-Zoom ein paar feine dunkle Unterarmhärchen erkennen! Skandal! Auch sehr schön, wie dem Wort „natürlich“ ein fieser, negativer Beigeschmack verliehen wird...

Quelle: PETA



Und bei dieser absoluten Idiotie jedem Härchen den Kampf anzusagen, sollten Männer bitte nicht auch noch mit hereingezogen werden.
Ehrlich gesagt, fände ich es sogar etwas befremdlich, hätte der Mann meines Bettes einen haarlosen Körper. Frisch rasiert und aalglatt erinnert er mich an einen vorpubertären Jüngling. Sprießen die Härchen gerade nach, sind sie stoppelig und bilden kleine Pickelchen. Sind Haare wirklich schlimmer als Pusteln?

Hat denn keiner von euch Haar-Hassern bemerkt, wie schön es sein kann, mit den Fingern in diesen Härchen zu spielen?

Sonntag, 5. Oktober 2014

Och, wie süß! Es hat 'Diät' gesagt!

Ich sitze entsetzt vor meinem Bildschirm: wer kennt nicht, diese vollkommen überflüssigen Sinnlosnachrichten, welche sich ungefragt vor dem Login ins Mailpostfach auf dem Bildschirm ausbreiten.
Normalerweise wird ja über die anstehende Nackedei-Modenschau von zig Engeln berichtet oder dass irgendeine frisch verlassene Ex-Soapdarstellerin einen Hundesalon in Lüdenscheid eröffnet hat und nur die crème de la crème der deutschen Fernsehlandschaft eine Einladung erhalten hat.

von Detectandpreserve (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]
In diesem Falle berichtete aber eine bekannte Promi-Gossip-Labertaschen-Webseite, dass die sechs Monate alte Tochter Sophia von Tamara Ecclestone (viel Geld, da Papi mit schnellen Autos gut verdient hat) zu fett sei. Nein, so hart haben sie es natürlich nicht gesagt. Diese missgünstigen
Redakteure nannten es „moppelig“ und dass „Speckröllchen-Alarm“ bestünde.
Wie kann sich dieses Kind auch erdreisten, nicht auf sein Gewicht zu achten! Mama hat ihren After-Baby-Body schließlich auch schon in Topform gebracht! Zugzwang, liebe Sophia!
Verpackt wird das ganze in zuckersüßen Worthülsen, die dem Leser aber nur eines klarmachen sollen: Bah, schau mal wie dick das Kind ist.
Ganz so offen darf man seine Fassungslosigkeit über mangelnde Selbstdisziplin schon in so jungen Jahren natürlich nicht kundtun. Da werden Verniedlichungen gefunden, deren Kern aber immer abwertend bleibt.
Auch die schwangere Hayden Panettiere darf sich solche Kommentare wie „Pausbacken“ und „propper“ gefallen lassen. Ihr scheine es gut zu schmecken und dass sie ja sonst sehr schlank und zierlich sei. Aber alles ganz freundlich gemeint, versteht sich. Deswegen lichtet man diese hübsche junge Schauspielerin auch aus einer Perspektive von ca. zwei Centimetern über dem Erdboden ab, damit auch ein kleines bisschen Fett am Hals zu einem gut definierten Doppelkinn heranwächst.

Vielleicht sollte man sich mal fragen, warum so viele Promis während ihrer Schwangerschaft soviel mehr wiegen als sonst. Ich möchte da den Verdacht aussprechen, dass sich die meisten denken: 'Hej, ich habe die letzten zehn Jahre kaum Nahrung zu mir genommen und möchte einmal wieder genussvoll essen. Wenn ich schwanger bin, haben die Medien eine viel größere Toleranz für eine Gewichtszunahme.' Dieser Schutz scheint wohl der Vergangenheit anzugehören. Wird doch jetzt auf den Frauen rumgehackt, die Leben schenken. Menschen, die einem anderen Menschen die Möglichkeit geben auf diese Welt zu kommen, in dem sie ihm für neun Monate Unterschlupf bieten.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Del%27s_Lemonade_Container_2011.jpg
#mediaviewer/File:Del%27s_Lemonade_Container_2011.jpg
Selbst Babys, die weder durch Süßigkeiten noch Fastfood ihre Figur negativ beeinflusst und somit einfach ein natürliches Gewicht haben, werden an den Pranger der Pfunde gestellt. Es kann doch nicht sein, dass Diskussionen ausbrechen, ob die dreijährige Beckham Tochter sich nicht lieber doch die Limonade verkneifen sollte.
Und dann tut sie nicht einmal etwas für eine ausgeglichene Energiebilanz und lässt sich von Papa auf den Arm nehmen anstatt selbst zu laufen!
Entschuldigung, aber dieses ganze Gewese ist ekelig und abstoßend.
Es ist schlimm genug, dass sich 12-Jährige für zu dick halten.

Wo soll das denn hinführen? Dass das erste Wort eines Kindes in Zukunft statt 'Mama' oder 'Papa' 'DIÄT' ist?

Sonntag, 21. September 2014

Wenn sich in Berlin nicht mehr nur die Touristen danebenbenehmen, sondern auch die lieben Nachbarn aus Brandenburg

Gestern Nacht, halb eins, Berlin Mitte: Geflohen aus einer Bar und vor einer Horde Mädchen, die ihren männlichen Begleitern ein „Du spinnst doch! Zu dick! Du bist doch suuuuperschlank!“ abringen wollten, nahmen wir die fünfminütige Wanderung auf den Prenzlauer Berg auf uns. Vorbei an der wunderschönen Zionskirche begegnete uns ein Mann, der mit dem Rücken zur Hauswand gedreht war. Zwischen seinen ausgelatschten Treten ergoss sich langsam aber stet ein See. Ich starrte ihn an und unterbreitete ihm fassungslos folgenden Vorschlag: „Nicht dein Ernst! Wenn du dich einmal umdrehst, steht da ein Baum. Auch das wäre nicht sehr schön, wenn du in der Öffentlichkeit, in einer Gegend mit vielen Kindern gegen einen Baum pinkeln würdest. Aber: das wäre noch gefühlte eine Million Mal besser, als gegen ein Fenster eines Spielwarengeschäftes zu urinieren!“


Meine beste Freundin wies mich, genauso erbost wie ich, darauf hin, dass der Hornochse bestimmt nicht einmal Deutsch könne und das nur wieder ein Tourist sei, der Berlin wie eine Mülltonne behandle. Doch dagegen wehrte sich der Hallodri (wenn auch mit etwas verzögerter Reaktionsfähigkeit): „Ich bin kein Touri! Ich bin Brandenburger, ihr Schnepfen!“ Ich verabschiedete mich mit „Deine Mama tut mir so unendlich leid!“ und zog mit meiner Freundin von dannen. Der Hallodri bedankte sich mit „Du willst doch nur mit mir f***en!“. Wenn ich eines mit Bestimmtheit sagen kann, dann, dass ich nicht mit jemandem, der gegen Fensterscheiben uriniert und dann auch noch das unerschütterliche Selbstbewusstsein eines Kokainabhängigen hat, Sex haben möchte.

von Adolph Knigge (Deutsches Textarchiv aufgerufen am 1. Juli 2013)
Gut, an diesem Abend schien der Druck auf die Blasen enorm 
zu sein, denn nur drei Minuten später liefen wir dem nächsten Idioten über den Weg. Der machte aber mehr aufgrund seiner Dummheit von sich reden, als von seiner Dreistigkeit. Denn die Scheibe, an der er sich erleichterte, war die der Polizeiwache.... Ich machte ihn darauf aufmerksam und fragte ihn, ob seine Mama ihm nicht von der Existenz der Toilette berichtet habe. Damit traf ich wohl einen Nerv und er wehrte sich mit Beschimpfungen über dieses versnobbte Berlin Mitte (in dem wir uns wieder befanden) und in dem er sich ja sichtlich so wohl fühlte, dass er nicht mit einer schüchternen Blase zu kämpfen hatte. Bei ihm in Brandenburg würde sich da keiner beschweren..

Wenn diese Abneigung gegen Respekt- und Gedankenlosigkeit Snobismus ist, dann bin ich wohl
oder übel ein Snob. Ich nenne es lieber die Grundregeln des Benehmens, aber gut...

Ich hoffe diese Menschen machen irgendwann einmal in einem ihrer Alkoholdelirien ins Bett und wachen morgens in ihrem eigenen Urin auf. Vielleicht hilft das.  

Donnerstag, 21. August 2014

Essstörungen hat man nur noch im stillen Kämmerchen

Um ein bisschen "Werbung" in eigener Sache zu machen:
Ich habe diesen Monat eine Kolumne auf Petra veröffentlicht und wollte euch an diesem für mich besonderen Moment teilhaben lassen. 

Ein Hoch auf die Dinge, die uns glücklich machen!


Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen und dass ich vielleicht einen kleinen Denkanstoß geben konnte.

Liebst, 
Franziska 

Dienstag, 29. Juli 2014

Wenn Fernsehen zur Strafe für den Zuschauer wird. World, wide, bitte geh weg.

Die Lieblingsprivatsender unserer Nation drohen uns momentan mal wieder mit der Überflutung unserer gemütlichen Fernsehinsel in den Abendstunden. Sie schicken eine Welle von Spielshows mit humoristischer Attitüde und Reisesendungen mit rothaarigen Rojinskis gen heimischen Wohnzimmertisch. Diese Welle reißt mich mit Ungläubigkeit und Fremdscham von meinen vier Buchstaben ( S, o, f, a ) und ich werde vom Gehirn als Schutzmechanismus in das Reich der Ohnmacht entführt.
von Swiss Plus AG (www.swissplus.net)via Wikimedia Commons

Bei soviel Sinnlos-Fernsehen frage ich mich, auf den harten Dielen erwacht und wieder zu Bewusstsein erlangt, was eigentlich zuerst da war: der Z-Promi oder die Show-Idee eines Redakteurs, der mich für völlig unzurechnungsfähig hält. Schafft man die freien Promikandidatenplätze als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für talentlose Hupfdohlen oder existieren diese „total verrückten“ Einfälle zuerst und dann fällt den Produzenten auf, dass es ja gar nicht soviele Prominente wie Prominentenspeziale gibt? Um dann nicht jeden C-Promi doppelt zu besetzen (und die meisten haben dann doch etwas wichtigeres zu tun haben, als sich mit Kindergeburtstagsspielen auf einer schrägen Bühne zu blamieren) werden dann Ex-ex-ex- Bachelorkandidaten und Spielerfrauen verpflichtet, um die leeren Plätze zu füllen. Diese hüpfen dann, als seien sie auf enthemmenden Drogen, über meinen Fernsehbildschirm und sind sich für nichts zu schade.
Wenn Palina Rojinski in Leggins, die so hässlich sind, dass sie den Sehnerv nachhaltig schädigen und orangefarbenem Wuscheldutt über Island stolpert, fragt man sich, wer diese Frau ins Fernsehen bringen wollte. Vielleicht war sie die einzige, die sich nicht zu schade dafür war, so offensichtlich gestellte Absurditäten vor einer Kamera zu machen (oder warum sollte ein Autoverleiher einen konservierten Penis, der eigentlich einem Museum gehört, in seinem Whitney-Houston-Wagen mit sich herumfahren?).

Und dem Übel nicht genug, muss Fernsehdeutschland sie nicht in einem oder zwei Formaten ertragen, nein. Da wird mal wieder, wie so häufig im TV, maßlos übertrieben und die Frau in zig Formaten gleichzeitig vor die Linse gezerrt. Was sie genau für einen Beitrag bei Circus Halligalli leistet, warum sie auch noch eine Datingshow mit Männern in Tierkostümen moderiert oder sie sich in einer Show namens „World, wide, weg“ blamieren muss, soll mir mal einer erklären. Das ist nicht lustig, sondern traurig, wenn eine erwachsene Frau nach einem Hashtag winselt und Facebook hinterher trauert.
Ruter - public transport(https://twitter.com/Ruter) [Public domain],via Wikimedia Commons
Wenn Palina Rojinski meint, dadurch einen Ruhm erlangen zu wollen, auf den sie stolz ist, in Ordnung. Aber ich möchte nicht vorwurfsvoll angesehen werden, warum ich denn die neue Powerfrau nicht superhip finde. Wer sich öffentlich im Fernsehen übergibt, kann von mir keinen Respekt erwarten. Das ist banale Belustigung über die niedersten Instinkte.

Ich saß einmal (aus Jux und Tollerei) im Publikum bei der Show „Clash, Boom. Bang!“. Der Name sagt schon sehr viel über diese Sendung aus.. Ich musste Sarah Dingens und Jay von US5 über mich ergehen lassen, wie sie aufmerksamkeitsgeil die, wenn auch mitleidigen, Blicke genossen. Höhepunkt dieses Gruselspektakels war ein Spiel, in dem Männer „aus dem Publikum“ mehreren nackten Frauen die Schokolade von den Brüsten lecken mussten. Wie krank muss man sein, sich so etwas auszudenken, wie armselig muss eine Frau sein, dass mit sich machen zu lassen, wie schamlos muss ein Mann sein, um da mitzuspielen. Und, liebe ß-Promis, kann man wirklich so nach Anerkennung und Aufmerksamkeit geifern, dass man diese Spielchen mitspielt?
Ich will dieses Elend nicht mehr sehen.
Lieber ein paar mehr echte Menschen mit echten Talenten, oder Personen, die mit ein bisschen mehr Eleganz ihre Sucht nach Aufmerksamkeit befriedigen, würde dem TV seinen Reiz ein wenig zurückgeben können.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Die Flitzpiepe mit dem Döner in der Hand und dem Liter Wodka im Magen, bitte in den letzten Waggon!

Natürlich lebt das wundervolle Berlin mit über 10 Milliarden Euro Einnahmen vom florierenden Tourismus. Er schafft Arbeitsplätze und bietet auch den Berlinern ein breites Spektrum an Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten.
von Dirk Vorderstraße , via Wikimedia Commons
Doch wenn man sich am Wochenende nach 23 Uhr mit der Bahn durch Berlin bewegt, wird einem eines klar: Berlin ist für viele da, um über die Stränge schlagen zu dürfen. Frei nach dem alltbekannten Motto: Was in Berlin passiert, bleibt auch in Berlin. Damit sind leider nicht nur die Liebschaften mit den vergessenen Vornamen gemeint, sondern auch so mancher touristische Mageninhalt.
Denn dieser wird häufig an einem gut besuchten U-Bahnhof wahlweise im Halbschlaf oder während des Fallens geleert. Der Tourist tritt am Montag die Heimreise an. Ich hingegen darf am Wochenanfang über besagten Mageninhalt steigen, um in meine Bahn gen Universität zu gelangen. Warum sich Menschen so hoffnungslos bis zur Besinnungslosigkeit betrinken müssen, ist mir ein gut gehütetes Rätsel. Mir ginge es gegen meinen Stolz mich in der Öffentlichkeit so gehen zu lassen. Natürlich gilt das nicht nur für Touristen. Auch in Berlin Lebende benutzen unsere Hauptstadt als einen höflichkeitsfreien Raum. Dort wird an der jungen Mutter mit dem Kinderwagen nur schnell die Treppe hochgehastet, um ja nicht gefragt zu werden, ob man eine helfende Hand hat. Hier lässt man einfach den Wegwerfgrill nach dem nächtlichen Saufgelage im Park liegen und seine Bullterrier über die Wiese und die dort krabbelnden Babys wetzen.
Ich bin es so leid diese Ignoranz zu ertragen. Ich mag nicht mehr zu pöbelnden Volltrunkenen nett und freundlich sein, nur um einer für mich schlecht endenden Konfrontation aus dem Weg zu gehen.
Auf Dauer scheint es nur zwei Lösungen zu geben: Entweder verzichte ich auf mein Glas Wein, weil andere den Umgang mit ihm nicht gelernt haben und fahre Auto oder ich nehme mir jedes einzelne Mal ein Taxi.
Andererseits wäre eine Unterteilung des Zuges in Waggons für nüchterne Menschen mit sensiblem Geruchssinn und Personen mit lockerem Umgang zur Wodka-E-Döner-Kombination auch ein Ansatz.



Montag, 26. Mai 2014

Zu zweit erfährt man die Welt völlig neu.

Ich sehne mich heute nach Paar-Langeweile. Ich würde auch so gern durch DM laufen und „Schatz, wenn wir italienisch kochen wollen, müssen wir noch einkaufen. Ich glaube wir haben keine Tomaten mehr“ sagen. Angekommen im Kaisers möchte ich ihn fragen, ob er an die Butter gedacht hat. Das klingt alles sehr simpel und banal, aber die fehlenden Tomaten für die abendliche Pasta am heimischen Tisch sind ein so hübsches Problem, dass ich es gerne hätte.

Wikimedia


Ein bisschen Alltag zusammen verbringen und den Einkauf mit einem kurzen Kuss oder einem liebevollen Blick zu einem positiv beladenen Erlebnis zu gestalten, scheint mir eine Vorstellung, die es zu respektieren lohnt. Denn wenn das Nützliche zum Angenehmen wird, hat man doch schon halb gewonnen.
Vielleicht sollten manche Paare sich auch einmal von außen betrachten und sehen und erkennen, dass es schöner ist, mit jemandem an das Olivenöl zu denken, den man gern hat, als es alleine zu vergessen und morgen wieder in den Supermarkt rennen zu müssen.
Tomaten kaufen ist natürlich kein besonderes Erlebnis, aber man muss seine Lebensmittel nicht alleine tragen. Man spart sich auch den sich-über-die-eigene-Vergesslichkeit-ärgernden zweiten Weg. Und es zeigt eine gewisse alltägliche Intimität. Die Einkäufe mit dem anschließenden gemeinsamen Kochen erzählen auch von einem Moment, in dem man sich an der Anwesenheit des Anderen erfreut; in dem man einfache Dinge mit dem Gegenüber teilt. Weil das Teilen von tagtäglicher Banalität das Besondere am Tag sein kann.

Denn wie sagt Badiou: zu zweit erfährt man die Welt völlig neu.


Samstag, 24. Mai 2014

Berlin ist... voll. Sehr voll.

Berlin ist...

samstags kein Shampoo kaufen zu können, weil sich knappe 20.000 Touristen auf dem 500 m langen Weg zwischen dir und deinem Rossmann befinden.

von Wikimedia

Oder einfach weil mal wieder irgendjemand für irgendwas demonstriert.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Der aufhaltsame Aufstieg der Gesundheitslatsche - Das Comeback der Birkenstocks

Ein neues It-Piece, ein Mode-Must-Have, ein heißes Teil der Saison wurde vor einigen Wochen geboren. In die Welt gesetzt von Modezeitschriften, den Primarks
der Nation und Fashionstrecken in führenden Magazinen. Die Birkenstock werden aus ihrem düsteren Versteck namens Zuhause gelassen und dürfen an die frische Luft.
Es gab eine Zeit, da versteckte man seine Birkenstock vor dem nahenden Besuch noch schnell im Abstellkämmerchen. Man wollte sein Date nicht über die Gesundheitslatschen stolpern lassen und damit jegliche zukünftige sexuelle Interaktionen verhindern. Natürlich sind Birkenstock eine Wohltat für jeden Pumps geplagten Ballen. Dieses Gefühl, wenn man vom zehn Zentimeter hohen Zenit der Rückenschädigung in das vorgeformte Fußbett gleitet, kommt dem Genuss eines Sommerabends mit auf der Nasenspitze kitzelnden Sonnenstrahlen gleich.
aus der Brigitte
Ich hätte allerdings nie gedacht, dass die orthopädischen Schuhe den Sprung in die Parks Berlin Mittes schaffen. Kombiniert mit einem knöchellangen Jersey-Fummel und BH-los watschelt es sich hervorragend mit 100prozentigem Wohlfühlfaktor durch den Szenebezirk. Allerdings feiern die Hipster-Schluffis die klassische 0815-camel/braun/schwarz- Variante und lassen die neuen absurden Designermodelle links liegen. Die machen den Schuh übrigens auch nicht hübscher. Bei einem Birkenstock ist einfach Hopfen und Malz verloren. Diese Schuhe sind ja auch gar nicht dazu gemacht, irgendeinen Stylefaktor zu erfüllen und das Auge eines Modeopfers zum Tränen zu bringen. Das was sie können, können sie gut: Unsere Füße verwöhnen wie die Massage eines attraktiven Mannes.
Auf die Korksohle ein Paar formschöne und so bequeme superbreite Riemen draufgedroschen, praktisch mit Größenverstellung von Ballerinaspann bis 40-Grad-im-Schatten-und-vier-Liter-Wasser-pro-Fuß-Fuß und dazu diese unvergleichliche rutschfeste Sohle. Komfort auf höchstem Niveau, die Ästhetik siedelt sich eher rund um das Thema hellgelber Nagellack an.

aus der Jolie


Fetische gibt es ja für vieles, aber ich dachte bis jetzt, dass die Erotik spätestens bei Birkenstock ihr Ende findet. Doch ich werde mal wieder eines besseren belehrt. Heute lockt man scheinbar seine Beute mit der verführerischen Ausstrahlung eines gesundheitsfördernden Fußbettes in seine Fänge.

Ich hätte mal einen Vorschlag für einen Trend, der auch mir Freude machen würde: 
der Vatermörder.  

Samstag, 10. Mai 2014

Verstörende männliche Pathetik.

Kitschige Liebeserklärungen und vor Pathetik triefende Metaphern schreibt man im ersten Augenblick eher der Damenwelt zu. Was ich allerdings schon für dramatische, ja schon theatralische Momente mit mir lieben Männern hatte, ist kaum zu überbieten.
Bühnenreif, wie ein Moralprediger im Staatstheater, bäumten sie sich vor mir auf und erklärten mir mit ihrer allübergreifenden Weisheit das Leben. Das dachten sie auf jeden Fall. Dass sie ihre Beziehungen hauptsächlich einfach nur mit Problemen belasteten und mich etwas ratlos und verwirrt zurückließen, sahen sie natürlich nicht.

von Phrontis (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], 
Nach meinem ersten Kuss sprang meine erste Kompliziertheit wie von der Tarantel gestochen auf, sah mich an und sagte: „Franziska, wir dürfen das nicht. Das ist nicht gut für mich... (bedeutungsschwangere Pause)... Das ist nicht gut für dich... (bedeutungsschwangerere Pause)... DAS, ist nicht gut für uns.“ Ich weiß nicht wie irritiert ich geschaut habe, aber ich vermute, dass es auf einer Skala von eins bis zehn eine sprachlose zwölf war. Denn es gab keinen triftigen Grund, dass dieser Kuss nun der Untergang der Erde war. Er dachte einfach schon wieder viel zu weit in die Zukunft. Malte sich Szenarien aus, die vielleicht hätten passieren können. Und das zerstörte schlicht das, was hätte sein können. Warum zerdenken einige Männer diese schönen Momente, diese zärtlichen Anfänge von etwas, dass ihnen Schönheit in ihr Leben bringen könnte?
Anstatt es keimen und wachsen zu lassen, wird es schon im Vorhinein zerstört, aus Angst, die Blume verblühe irgendwann. (Auch mal eine pathetische Metapher, vielleicht verstehen mich die Männer dann?)
Da wird sich in Pose geschmissen, die Hände gen Himmel gestreckt und der Frau, die man doch eigentlich sehr gern hat, eine derartig widerliche Pathetik vor die Füße geworfen, dass sie nur noch verständnislos verstummt. Und meistens geht.


Dienstag, 29. April 2014

Brief an meine Freundinnen von der Emanzenfraktion

Gleich zu Beginn: es gibt innerhalb Religionsgemeinschaften immer verschieden stark interpretierte Meinungen. Und natürlich sind weder alle Christen, noch alle Moslems gleich gläubig. Noch leben sie alle gleich. Aber da mir dieses ständige „ich mein ja gar nicht jeden und scher auch nicht alle über einen Kamm“ - Rumgedruckse tierisch auf den Senkel geht, sage ich es lieber einmal am Anfang, und dann nicht wieder.

Quelle: bz-berlin.de 
Liebe Emanzen:
Ich möchte euch für euer Sozialsein danken.
Religionen sind ja zum größten Teil eher frauenverachtend, als frauenfreundlich. Mit dem Christentum, insbesondere mit dem Katholizismus, will niemand mehr etwas zu tun haben. Aber beim Islam, da schreit ihr „Hurra!“ Das ist mutig und so nett von euch. Ihr seht einfach über gewisse Kleinigkeiten hinweg. IHR seid keine kleinkarierten Spießer. Wenn man in einem islamischen Staat wie Saudi-Arabien für vorehelichen Sex ins Gefängnis kommt, lasst ihr alle fünfe grade sein und drückt ein Auge zu. 
von Dubravko Sorić SoraZG on Flickr 

Und ich verstehe total, dass ihr Männer unterstützt, die denken, dass eine deutsche, unverschleierte Christin weniger wert ist, als eine, die ihr Haupthaar versteckt und im Umhang durch die heimischen vier Wände weht. Ihr seid diesen mich bespuckenden Männern eine helfende Hand und gebt nebenher euren Kampf gegen den SalzstreuER nicht auf. Danke, danke, danke, danke... Ihr setzt Prioritäten. Es kann so einfach nicht weitergehen, dass ich, als Mensch weiblichen Geschlechts auch heute noch durch eine FußgängERzone gehen muss. Und dann diese widerlichen Machos, die nicht mal vernünftig gendern können! So geht es ja nicht weiter. Die Angleichung der Gehälter von Männern und Frauen sollte definitiv hintenan gestellt werden. Warum auch an solche Nichtigkeiten Gedanken verschwenden?  

Donnerstag, 10. April 2014

Mit Korsett wäre das nicht passiert. Weder das mit der schlechten Haltung, noch das mit dem Spiegelei. Mango.com postuliert einen krummen Rücken als das neue Modeaccessoire.

Gut, die Modewelt ist mir in manchen Dingen wirklich suspekt. Seien es die nicht existierenden Schnitte der Kleidung, die Propaganda für mehr Knochen auf dem Laufsteg oder die Großaufnahme des Spiegeleis bei Germanys Next Topmodel. Drei Mädchen starren in die kleine Pfanne mit dem einen Ei. „Hunger!“ schreit es aus ihren Blicken.


Quelle: mango.com


Nun gut. Das Thema ist genügend durchgekaut worden. Aber warum stehen die Models auf mango.com, als hätten sie eine verdorbene Erdbeere gefrühstückt? Soll das die Kunden ansprechen, wenn die Kleiderständer wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängen? Denkt man sich: „Hej, wie schön das Mannequin auf halb acht hängt, das würde bestimmt auch total gut an mir aussehen! Wenn ich das nächste Mal, mit abfallenden, nach vorne floddernden Schultern auf meine Tram warte, verführe ich mit meiner rückenschädigenden Haltung bestimmt den nächsten BVG-Fahrer.“ 
Quelle: mango.com
Und dann diese Blicke, die von traurig, über apathisch bis zu müde, abgespannt und „hast du mal 'ne Mark“ reichen. Soll das „cool“ und „edgy“ sein? Niedlich, lockend oder fröhlich sieht es auf jeden Fall nicht aus. 
Mehr als seien das Zwangs-arbeiter, welche die neue Kollektion präsentieren müssen.

Quelle: mango.com

Samstag, 5. April 2014

Was sagt der Lebensversager? - Hü-hüpf!

In Berlin wird ein Haufen von Lebensversagern herangezüchtet. In Berlin kann und darf man nicht alles. Es gibt dir die Möglichkeit zu vielem. Aber gib Berlin nicht am Ende die Schuld, wenn die Party vorbei ist und du mit deiner Postdepression vom Kokain zu Hause bist. Allein.
absolutfamilie.de
In Berlin gehört dir die Welt! Keine Droge kann dir etwas anhaben. Die anderen werden süchtig, du genießt ja nur dein Leben. Von Mittwoch bis Sonntag frühstückst du vor dem Schlafen und nicht nach dem Aufstehen. Du hüpfst von einem Open Air und Freundeskreis zum nächsten und willst keine Shoperöffnung mit Freibier verpassen. Mit deinem Ex-Wochenendpartner konntest du über allen möglichen Scheiß reden. Der Lover wird auch schon mal der Kumpeline empfohlen und die Weiber sind allzeit bereit. Du springst so häufig im Spagat durch die Betten, dass man dich für einen promiskuitiven Flip halten könnte. 
Du setzt dich mit deinem nackten Hintern in den zehn Jahre alten Ubahndreck, da dein kläglicher Versuch einer Jeansshorts deine Pobacken unten raushängen lässt. High Heels, die nicht aussehen wie zwei Zentner schwere Elefantenfüße, verabscheust du genauso wie ein gut geschnittenes Jackett. Du benutzt Berlin wie ein Wegwerftissue. Doch irgendwann ist auch diese Box leer.
abzonline.de
Man kann seine Himbeertörtchen nicht mit Koks bestäuben und denken, das eigene Gehirn bekomme es nicht mit.
„That's not Germany, that's Berlin!“ Aha. Also meinst du, Berlin sei ein rechtsfreier, surrealer Raum, der dich dazu bringt Dinge zu tun, die ein normaler Menschenverstand als hirnrissig erachtet? Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Und wenn dein Leben mit Mitte Dreißig nicht immer noch so inhaltslos und hipsterspießig sein soll, dann spring von diesem Zug ab. Tu uns und vor allem dir den Gefallen. Ansonsten bleibt ihr alle allein. Und trefft euch samstagnachts um euch traurig den Sinn eures verkorksten Lebens einzureden und die hallende Leere wegzutanzen. Und die, die mit dir sind, sind nicht deine Freunde. Es sind Leidensgenossen.

Freitag, 21. März 2014

Der Mensch ist einfach zu feige um allein gemein zu sein.

Vox launchte „Das perkte Dinner“. Vox erkannte: ein Wettstreit zwischen mehreren Personen heizt den Voyeurismus des Zuschauers derart an, dass man damit gute Quoten einfährt.
Also rief Vox eine weitere Show ins Leben: Shopping Queen. Im Januar 2012 kam das Sendungsbaby mit seinem alleinerziehenden Pflegevater Guido Maria Kretschmer auf die Welt. Und seit seiner Geburt, ist die kleine Shopping Queen der Klassenliebling. Irrsinnigerweise blieb sie von feministischem Mobbing fast verschont und entwickelte sich zu einer jungen Dame mit verschiedenen Facetten, sodass es ihr nicht schwer fiel auch mal ihre testosterongeladene oder C-prominente Seite zu zeigen.

Quelle: Vox

Doch Shopping Queen ist auch Sozialexperiment: hier werden fünf völlig unterschiedliche Personen und Persönlichkeiten, die sich bis dato fremd waren in eine unbekannte Wohnung gesteckt. Und meistens geht dieses Experiment auch gut und neue „Freundschaften“ entstehen. Auf jeden Fall vor der Kamera. Allerdings finde ich es tatsächlich erstaunlich, dass so selten der Zickenkrieg ausbricht, die Stutenbissigkeit Überhand gewinnt und sich die „Puppen“ nicht zeternd im fremden Kleidchen durch die Wohnung schubsen. Entweder werden alle diese apokalyptischen Szenen von der Produktion im Nachhinein herausgeschnitten oder die Mädels reißen sich alle wahnsinnig zusammen. Was wirklich einen enormen Kraftakt bedeuten muss, da ich leider schon an den eigenen Haaren erfahren musste, wie es ist, wenn zickende Ziegen an ihnen ziehen.

Quelle: Vox


Jetzt hat Vox mir aber einen Wink gegeben: der Stutenkampf scheint nur nicht auszubrechen, weil die Frauen auf sich allein gestellt sind, und keine Vertrauensperson haben, die ihnen das Selbstbewusstsein schenkt Gemeinheiten auszupacken! Denn in der neuen Doku-Reihe „Mein himmlisches Hotel“, in der vier Hotelier-Paare sich gegenseitig bewerten, sieht die Sache schon ganz anders aus. Gönnen sich die Pärchen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln und finden Staub an Orten, an denen auch ich noch nie geputzt habe. Oder hängt einer von euch diese 5 cm tiefen Fehlkonstruktionen von der Wand, um die Flimmerkiste auch rückseitig zu säubern? In der Sendung wird gemosert und gemeckert und den Konkurrenten die Butter vom Brot geleckt. Als ob der simple Umstand einen Kumpanen an seiner Seite zu wissen, die gemeinen Untiefen der einzelnen Bewerber offenbart.
Für meinen Geschmack nimmt diese absolute negative Grundeinstellung, die im Laufe der Woche immer stärker zunimmt den Reiz und das Amusement der Sendung.


von Michael Becker (taken by Michael Becker)
Denn ein paar weniger Fahndungen nach entlaufenen Staubmäusen unter Boxspringbetten würden der Sendung mehr spielerischen Charme verleihen.